ALBRECHT VON BRANDENBURG

1490–1545

Kardinal

Albrecht von Brandenburg war eine vielseitige und widersprüchliche Persönlichkeit. Er gehörte zu den gebildetsten Menschen seiner Zeit. Im Alter von 23 Jahren wurde er Erzbischof von Magdeburg und fünf Jahre später war er schon Kardinal. Seine Residenz wurde die Moritzburg in Halle. Im Jahr 1506 gründete er die Universität in Frankfurt an der Oder. Er war Luthers Zeitgenosse, Gönner von Dürer, Cranach, Grünewald und Baldung Grien. Er spielte eine große Rolle im religiösen, politischen und kulturellen Leben Deutschlands zu Beginn des 16. Jahrhunderts.

Einerseits begünstigte Albrecht die Humanisten und berief sogar den Schriftsteller Ulrich von Hutten im Jahr 1515 an seinen Hof, andererseits unterstützte er 1517 Papst Leo X. und verkaufte Ablassbriefe. Die eine Hälfte des Gewinns vom Verkauf ging nach Rom und die andere Hälfte zur Tilgung seiner Schulden an das Bankhaus der Fugger. Der Ablasshandel war für Luther der Anlass für die Veröffentlichung seiner gegen die katholische Kirche gerichteten „95 Thesen“. Sie wurden zum Beginn der Reformationsbewegung, und Albrecht befand sich im Lager der Gegner der Reformation. Dessen ungeachtet gewährte Albrecht im Gegenzug für die Schuldentilgung seinen protestantischen Untertanen in Magdeburg Religionsfreiheit. Dennoch verjagten ihn die Protestanten einige Jahrzehnte später aus seinem Schloss Moritzburg und setzten das Schloss in Brand. Als Antwort darauf unterstützte Albrecht das Auftreten des Kaisers gegen die Protestanten und nahm im Jahr 1540 als erster der deutschen Fürsten bei sich in Mainz Jesuiten auf; und im Jahr 1544, auf der Sitzung des Reichstags, schloss er mit den Katholiken einen Vertrag im Falle eines künftigen Krieges gegen die Protestanten.

Albrecht von Brandenburg war ein Förderer von Wissenschaft und Kunst. Für die Ausgestaltung) des Doms zu Halle beauftragte er Lucas Cranach (einen Freund Luthers und Befürworter der Reformation), 16 Altäre zu malen, die insgesamt aus 142 Gemälden bestanden. Dieser Auftrag gilt als der größte in der Geschichte der deutschen Kunst. Außerdem bestellte Albrecht bei Matthias Grünewald den Erasmus-Mauritius-Tafelaltar. Der Kardinal förderte auch Hans Baldung Grien. Im Jahr 1541, als Albrecht gezwungen war, aus seiner Moritzburg zu fliehen, konnte er einige Arbeiten mitnehmen. Darunter waren Werke von Lucas Cranach, dem Lieblingskünstler des Kardinals.

Die Widersprüchlichkeit der Persönlichkeit Albrechts bestand darin, dass er sein Mäzenatentum als gottgefälliges Werk im Namen der Rettung der Seele sah, sie jedoch aus Mitteln finanzierte, die er aus dem Ablasshandel bekommen hatte.

Das graphische Porträt Albrechts wurde bei Dürer bestellt, der von der Platte 500 Drucke machte und sie dem Besitzer sandte. Es ist möglich, dass der Kardinal diese Graphik als Exlibris nutzte.