MARTIN SCHONGAUER

Um 1450 bis 1491
Deutschland

Maler, Graphiker, Zeichner

Geboren vermutlich 1450 in der Familie des Juweliers Caspar Schongauer, der um 1440 aus Augsburg nach Colmar übergesiedelt war. Die ersten künstlerischen Fertigkeiten erwarb er in der Werkstatt des Vaters, danach konnte er als Geselle bei den Colmarer Malern ausgebildet werden. Es wird angenommen, dass er nach Abschluss des Studiums in den Niederlanden, in Burgund und Spanien war. Von 1471 bis 1488 arbeitete er in Colmar. Ungeachtet dessen, dass sein Name mehrfach in den Stadtchroniken erwähnt wird, wurde Martin Schongauer nicht zu einem Bürger von Colmar ernannt. Offensichtlich war das der Grund seiner Übersiedlung 1488 nach Breisach, wo er schon 1489 in Stadtdokumenten als Bürger und offizieller Künstler der Stadt registriert ist. Er starb 1491 in Breisach.

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Schongauers erste Zeichnungen datieren von 1469, in denen der augenscheinliche Einfluss der Werke des niederländischen Künstlers Rogier van der Weyden auf den angehenden Meister sichtbar wird. Zweifellos war Schongauer mit der niederländischen Kunst gut bekannt, was Vasari gestattete, ihn als einen Schüler van der Weydens anzusehen, obwohl es keinen Beweis dafür gibt.

In der Geschichte der deutschen Kunst wurde Schongauer der erste Maler, der sich dem Kupferstich zuwandte. Vor ihm hatten in dieser Technik nur Juweliere gearbeitet. Indem er schon in der Jugend alle Handgriffe und Besonderheiten des Gravierens auf Metallplatten erlernt hatte, wandte sie der Meister im Kupferstich erfolgreich an und schuf seinen eigenen unverwechselbaren Stil, in dem technische Vollendung zur Lösung der künstlerischen Aufgaben beiträgt.

Von Schongauers Werken der Malerei ist wenig erhalten geblieben. Man kann sie heute in Colmar (in der Stiftskirche Saint Martin), in Museen von München und Wien finden. Nach Auffassung von Erforschern seines Schaffens wurden viele Arbeiten des Künstlers in der Epoche der Reformation und während der Großen Französischen Revolution vernichtet. Das Graphische Erbe des Meisters umfasst, unterschiedlichen Quellen zufolge, 115 bis 117 Graphiken und ungefähr 100 Zeichnungen; einige von ihnen existieren heute nur noch in Gestalt von Kopien. Da der Künstler seine Druckstöcke nicht datiert hat, teilen einige Forscher sein graphisches Schaffen in drei Perioden ein: die erste – 1470 bis 1473, die zweite – 1473 bis 1480, die dritte – 1480 bis 1488. Alle Arbeiten sind, mit einer kleinen Ausnahme, den genannten Perioden zugeordnet, wenn eine mehr oder weniger genaue Datierung der Graphiken des Meisters nachgewiesen ist.

Im Kupferstich setzte Schongauer die Errungenschaften seiner Vorgänger, des Meister ES und des Meisters der Spielkarten, fort und entwickelte sie, indem er eine große Plastizität der Form, eine Kompliziertheit des kompositionellen und räumlichen Aufbaus sowie feiner tonaler Übergänge erreichte. Er war der erste Graphiker, der alle seine Werke zeichnete, indem er auf sie das Monogramm „M+S" setzte. Die Sujets der Graphiken des Künstlers sind ungewöhnlich vielfältig. Neben traditionell religiösen Kompositionen und im 15. Jahrhundert verbreiteten ornamentalen Mustern für Juweliere und Meister der angewandten und der Schriftkunst führte Schongauer Genreszenen und Tierdarstellungen in die Graphik ein. Seine Arbeiten waren nicht nur in Deutschland gut bekannt. Laut Vasari kopierte Michelangelo Werke dieses deutschen Meisters.

Albrecht Dürer kannte Schongauers Graphiken gut und war bezaubert von ihnen. Namentlich an ihrem Beispiel begriff er alle Möglichkeiten der Technik des Kupferstichs. Dürer war kein direkter Schüler von Schongauer, aber er wurde dazu infolge des sorgsamen Studiums der Werke des Meisters. Nicht wissend, dass der Künstler verstorben war, ging Dürer 1492 während seiner Lehr- und Wanderjahre zuerst nach Colmar, um Schongauer kennenzulernen. Den Meister nicht mehr lebend antreffend, bekam Dürer nichtsdestoweniger die Möglichkeit, sich mit seinen Tafeln bekanntzumachen, die in Colmar geblieben waren.