WILLIBALD PIRCKHEIMER

1470–1530

Herausragender Humanist seiner Zeit

Er war eine ungewöhnliche Persönlichkeit, in der sich erlesene Bildung und unbändiges Wesen miteinander vertrugen. Sohn des Nürnberger Patriziers und Diplomaten Johannes Pirckheimer. In der Jugend begleitete Willibald den Vater auf dessen Reisen. 1489 bis 1495 studierte er an Universitäten in Italien (in Padua und Pavia), wo er Kurse für Philosophie, Recht und Humanistische Wissenschaften absolvierte.

Von 1496 bis 1523 war Pirckheimer Mitglied des Kleinen Senats von Nürnberg. Die Stadt wurde in diesen Jahren zum Zentrum des Humanismus in Deutschland. Im Jahr 1499 nahm er auf der Seite von Maximilians I. am Schweizer Krieg (auch: Schwabenkrieg) teil. Maximilian I. und Karl V. schätzten seine diplomatischen Fähigkeiten sehr. Im Augenblick des Auftretens von Martin Luther stritt er heftig für die Reformation, doch während des Bauernkrieges wurde er gegenüber der neuen Bewegung zurückhaltender.

Er beschäftigte sich mit Übersetzungen der Klassiker der antiken Philosophie und Literatur aus dem Griechischen und begeisterte sich für Mathematik und Astronomie. In seinen Arbeiten stützte er sich auf das enzyklopädische Wissen der griechischen und römischen Literatur. In seinem Werk „Kurze Darstellung Germaniens“ sammelte er alle Nachrichten der griechischen Autoren über die alten Germanen. Er stand immer auf Seiten von Maximilian und setzte sich für die Idee der Einheit Deutschlands und der freien Entwicklung einer weltlichen Kultur ein. Im sogenannten „Reuchlin-Streit“ trat er für die Verteidigung des Philosophen und Humanisten Johannes Reuchlin gegen die Angriffe reaktionärer katholischer Theologen ein. Anfangs unterstützte er Luther, aber die Gewalttätigkeit der Bewegung, die Zerstörung von Kunstdenkmalen durch die Protestanten stieß Pirckheimer ab vom Luthertum und so wurde er zum Gegner der Reformation.

Willibald Pirckheimer war seit der Kindheit mit Albrecht Dürer befreundet (sie wuchsen zusammen auf) und hatte auf ihn großen humanistischen Einfluss. Außer Porträts sind Darstellungen W. Pirckheimers und seiner charakteristischen Figur oft in Graphiken Dürers („Das Männerbad“, „Joachim und Anna unter der Goldenen Pforte“ und andere) anzutreffen.