AWINOWA, MARIA JURJEWNA (1882–1975). MOSKAU

Herkunft aus dem alten Adelsgeschlecht der Nowosilzews. Gründete zusammen mit der Mutter M.A. Nowosilzewa bei sich auf dem Gut das Klöppelspitzengewerbe „Kadomskij Veniz“. Die neue Art der Spitzen, die nach dem Typ der venezianischen Nadelspitzen hergestellt wurden, hatte Erfolg in den höheren Kreisen Russlands und im Ausland. In der Arbeit der russischen Spitzenklöpplerinnen dienten oft dekorativ-ornamentale Graphiken, die sich im Herrenhaus befanden, als Muster.

Der Gatte von Maria Jurjewna war Nikolai Nikolajewitsch Awinow (1881–1937), ein Sohn des Generals Nikolai Alexandrowitsch Awinow und Enkel des russischen Admirals Alexander Pawlowitsch Awinow (1786–1854); bis 1917 war er ein bekannter Politiker und Semstwo-Persönlichkeit. 1937 wurde er verhaftet und erschossen. 1938 verhaftete man auch M.Ju. Awinowa; bald darauf wurde sie mangels Beweisen freigelassen und auf 101 Kilometer Entfernung aus Moskau verbannt.

Während des Krieges befand sich Awinowa auf okkupiertem Gebiet, es gelang ihr, nach Frankreich zu entkommen. Nach der Befreiung Frankreichs übersiedelte sie nach Amerika zu den Verwandten des Mannes. In den USA nahm sie aktiv an der Tätigkeit der russischen Gemeinde teil, beschäftigte sich mit kirchlicher Wohltätigkeit, gab den literarisch-künstlerischen Almanach „Am goldenden Tor“ heraus. Sie starb 1975 und ist in New York begraben.

Das Altengeschlecht der Nowosilzews und die alteingesessene Familie der Awinows besaßen viele Kunstschätze, die durch Erbschaft übergeben worden waren. Das Gutshaus der Nowosilzews war jedoch im Dezember 1917 abgebrannt und bei dem Brand wurde ein großer Teil der Sammlung vernichtet. In den schwierigen 1920-er Jahren war die Familie gezwungen, die Reste der erhalten gebliebenen Sammlung zu veräußern.

Im Jahr 1928 kaufte das Museum der Schönen Künste von M. Ju. Awinowa 120 Graphiken. Unter ihnen waren Arbeiten deutscher und italienischer Meister sowie französischer und niederländischer Künstler. Den größten Schatz in der deutschen Abteilung stellten zehn Holzschnitte A. Dürers (1471–1528) dar; sie beziehen sich auf die Jahre 1510 und 1511 – die Periode der Blüte im Schaffen des großen deutschen Künstlers. Unter ihnen waren für das Museum von besonderem Interesse vier von sechs der von Dürer geschaffenen dekorativen Holzschnitte, die unter der Bezeichnung „Knoten“ in die Kunstgeschichte eingegangen sind.